Steinau an der Straße (ots) –
(lei) Nach einer Häufung schwerer und teils tödlicher Unfälle auf der Landesstraße 3196 zwischen Steinau und dem Stadtteil Marjoß in den vergangenen Wochen und Monaten (wir berichteten mehrfach) haben Polizeibeamtinnen und -beamte am Sonntag erneut vor allem motorisierte Zweiräder und deren Fahrer auf dem Streckenabschnitt kontrolliert. Die Strecke gilt seit vielen Jahren als beliebte Bikerroute, birgt aufgrund ihres Verlaufs zugleich jedoch erhebliche Gefahren. Gerade in den zahlreichen Kurven können bereits kleinste Unaufmerksamkeiten oder eine nicht an die Straßen- und Verkehrsverhältnisse angepasste Geschwindigkeit schwerwiegende Folgen haben.
Vor diesem Hintergrund führten Spezialisten der Direktion Verkehrssicherheit/Sonderdienste sowie der Polizeidirektionen Main-Kinzig und Offenbach von 10 bis 16.30 Uhr umfangreiche Kontrollmaßnahmen durch. Im Mittelpunkt standen neben allgemeinen Verkehrskontrollen insbesondere Geschwindigkeitsmessungen – im überprüften Bereich galt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern – sowie die technische Beschaffenheit der Motorräder.
Ein besonderes Augenmerk legten die Einsatzkräfte auf mögliche technische Veränderungen an den Fahrzeugen. Nicht zulässige Umbauten, Veränderungen an Abgasanlagen oder andere Manipulationen, die unter anderem eine Leistungssteigerung bewirken können, geben immer wieder Anlass zum genaueren Hinschauen. Solche Veränderungen können nicht nur zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen, sondern je nach Ausgestaltung auch das Fahrverhalten und damit die Verkehrssicherheit beeinflussen. Dafür waren auch speziell geschulte Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz, die über besondere Kenntnisse bei der Erkennung technischer Veränderungen und möglicher Regelverstöße verfügen.
Auch Feststellungen zu teils erheblichen Lärmbelästigungen spielten bei den Kontrollen eine Rolle. Ergänzend zur stationären Kontrolle wurden im dortigen Bereich mobile Kontrollen durch ein ziviles sowie ein Streifenmotorrad durchgeführt.
Im Rahmen der Schwerpunktkontrolle überprüften die Einsatzkräfte insgesamt 142 Personen und 137 Fahrzeuge. Dabei handelte es sich um vier Pkw, zwei Quads, zwei Kleinkrafträder, sieben Leichtkrafträder bis 125 Kubikzentimeter sowie 122 Krafträder über 125 Kubikzentimeter.
Die Bilanz der festgestellten Verstöße: Sieben Geschwindigkeitsverstöße, davon fünf im Verwarngeld- und zwei im Bußgeldbereich. Die beiden letztgenannten Verstöße wurden auf dem Weg zur beziehungsweise von der Kontrollstelle festgestellt – ein Fahrer war dabei mit 160 Km/h bei erlaubtem Tempo 100 unterwegs. Löblich ist zugleich, dass sich der überwiegende Teil der kontrollierten Verkehrsteilnehmer vor Ort an die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung und die weiteren Vorschriften hielt.
Zudem stellten die Beamtinnen und Beamten einen Fall des Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie einen Fall des Zulassens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis fest. Hinzu kamen zehn Verstöße gegen Vorschriften der StVO beziehungsweise StVZO, fünf Fälle des Erlöschens der Betriebserlaubnis und acht Mängelkarten. Drei Fahrzeuge wurden sogar sichergestellt. Dabei handelte es sich zum einen um ein Kleinkraftrad, bei dem der Verdacht bestand, dass es eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 Stundenkilometern erreicht. Zudem monierten sie ein Leichtkraftrad mit Veränderungen im Bereich der Auspuffanlage und des Bremshebels sowie ein Kraftrad mit Veränderungen an der Auspuffanlage. Die drei Fahrzeuge werden im weiteren Verlauf noch eingehender begutachtet.
Eine besondere Begegnung ergab sich während der Kontrolle, als ein junger Mann aus eigener Veranlassung an der Kontrollstelle erschien. Er berichtete den Einsatzkräften, dass er vor einiger Zeit auf der Strecke einen Verkehrsunfall hatte und sich dabei schwer verletzte. Nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt wollte er nun erneut die Unfallstelle aufsuchen. Der junge Mann suchte nicht nur das Gespräch mit den Polizeibeamten, sondern auch mit den angehaltenen Motorradfahrern. Sein persönliches Schicksal, die weiterhin bestehenden körperlichen Beeinträchtigungen und noch ausstehenden Operationen dürften bei manchem Motorradfahrer einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen haben als die eigentliche Kontrolle. Auch für die eingesetzten Kräfte machte die Begegnung noch einmal deutlich, welche Bedeutung ihre Arbeit für die Verkehrssicherheit hat.
Die Polizei weist in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass das Teilstück der Landesstraße trotz seines reizvollen und kurvenreichen Verlaufs keine abgesperrte Rennstrecke ist. Das Befahren verlangt insbesondere von Zweiradfahrern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme. Bikerinnen und Biker sollten ihre Fahrweise jederzeit den Straßen-, Witterungs- und Verkehrsverhältnissen anpassen.
Bildquelle: Polizeipräsidium Südosthessen
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