Südhessen (ots) –
Gemeinsames Projekt von Hessischem Innenministerium, Polizeipräsidium Südhessen und Landesjagdverband Hessen geht ins achte Jahr / Genaue Markierung hilft, verletzte Wildtiere schneller zu finden / Im Herbst steigt die Wildunfallgefahr
Sie stehen auffällig am Fahrbahnrand und werden von Verkehrsteilnehmern regelmäßig missverstanden: Wildunfallzeichen (WUZ) warnen nicht vor Strecken, auf denen besonders viele Wildunfälle passieren. Sie markieren den Ort eines einzelnen Zusammenstoßes so genau wie möglich und schaffen damit die Grundlage für die Suche nach einem verletzten Tier.
Das Projekt des Hessischen Innenministeriums, des Polizeipräsidiums Südhessen und des Landesjagdverbandes Hessen wurde im Oktober 2019 erstmals vorgestellt. Aus dem damaligen Pilotversuch ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südhessen ein etabliertes Verfahren geworden, das inzwischen im achten Jahr läuft.
Nach der Unfallaufnahme steckt die Polizei das Wildunfallzeichen dort in den Fahrbahnrand, wo sich der Zusammenstoß nach den vorliegenden Erkenntnissen ereignet hat. Die weiterentwickelte Version „WUZ 2.0“ ist mit einer stark reflektierenden Folie aus dem Feuerwehr- und Rettungsbereich ausgestattet und dadurch auch bei Dunkelheit aus rund 300 Metern zu erkennen. Ein Pfeil auf der Oberseite weist zusätzlich auf die vermutete Fluchtrichtung des Tieres hin.
Der genaue Unfallort entscheidet über die Nachsuche
Besonders wichtig ist die Markierung, wenn ein Reh oder ein Wildschwein nach dem Zusammenstoß geflüchtet ist. Für einen ausgebildeten Nachsuchenhund sind Fährte, Haare, Schweiß und andere Wundwitterung unmittelbar an der Kollisionsstelle der entscheidende Ansatzpunkt. Ohne diese Spuren ist keine Nachsuche möglich.
Fehlt eine genaue Markierung, bleiben oft nur ungenaue Beschreibungen wie „kurz vor dem Abzweig nach XY, auf der rechten Seite“. Jagdpächter und Nachsuchengespanne müssen dann zunächst längere Straßenabschnitte absuchen. Das kostet wertvolle Zeit und hält Hund und Hundeführer unnötig lange im Gefahrenbereich direkt an der Fahrbahn.
Staatssekretär Martin Rößler aus dem Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz erklärt:
„Das Wildunfallzeichen ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit einfachen Mitteln viel erreicht werden kann. Es markiert genau die Stelle, an der es zum Zusammenstoß gekommen ist, und schafft damit die Grundlage für eine schnelle Nachsuche. Verletzte Tiere können so früher gefunden und von unnötigem Leid erlöst werden. Dass das Projekt inzwischen im achten Jahr läuft, zeigt, wie gut und vertrauensvoll Polizei und Jägerschaft in Hessen zusammenarbeiten. Mit der Umstellung auf die Winterzeit fällt der abendliche Wildwechsel wieder mit dem Berufsverkehr zusammen. Ich appelliere deshalb an alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, an Waldstücken und Feldrändern besonders aufmerksam und mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren.“
Bernd Widmaier, Vorstandsmitglied des Landesjagdverbandes Hessen ergänzt:
„Das Wildunfallzeichen zeigt sehr anschaulich, wie praktischer Tierschutz funktioniert: Je genauer wir den Unfallort kennen, desto schneller kann eine fachgerechte Nachsuche beginnen und desto eher kann ein verletztes Wildtier von unnötigem Leid erlöst werden. Wir freuen uns über die inzwischen langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Südhessen.“
Auch bei verendetem Wild wichtig
Liegt ein bereits totes Tier im Straßengraben oder in dichtem Bewuchs, wird es gerade bei Dunkelheit leicht übersehen. Die weithin sichtbare Markierung hilft, den Fundort schnell zu lokalisieren und das Tier zu bergen. Das senkt zugleich das Risiko von Folgeunfällen: Tierkörper in Straßennähe locken Füchse und Wildschweine an und begünstigen so neuen Wildwechsel unmittelbar an der Fahrbahn.
„Das Wildunfallzeichen ist ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Hilfsmittel. Unsere Streifen markieren damit nach der Unfallaufnahme die Kollisionsstelle und schaffen eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Jagdpächter und Nachsuchengespanne. Das Projekt verbindet Tierschutz und Verkehrssicherheit“, so Polizeihauptkommissar Bernd Hochstädter vom Polizeipräsidium Südhessen.
Landkreis unterstützt aus Mitteln der Jagdsteuer
Der Landkreis Darmstadt-Dieburg begleitet das Projekt seit Jahren und hat die Beschaffung weiterer Wildunfallzeichen mehrfach finanziell unterstützt – unter anderem aus Mitteln der Jagdsteuer.
„Hier wird mit vergleichsweise einfachen Mitteln ein konkreter Beitrag zum Tierschutz und zur Verkehrssicherheit geleistet. Mittel aus der Jagdsteuer fließen damit unmittelbar und zweckgebunden in eine Maßnahme, die der Jagdpraxis, dem Tierschutz und allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt“, so Lutz Köhler, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Darmstadt-Dieburg.
Wildunfallzeichen bitte zügig zurückgeben
Damit das System funktioniert, müssen die Zeichen nach Nachsuche oder Bergung schnellstmöglich zur Polizei zurückgebracht werden. Landesjagdverband und Polizeipräsidium appellieren deshalb vor den wildunfallreichen Herbstmonaten an alle Jagdpächter, eingesammelte WUZ zeitnah bei einer Polizeistation abzugeben. „Gerade jetzt benötigen wir jedes verfügbare Wildunfallzeichen wieder im Einsatz. Im Kofferraum oder in der Garage kann es seinen Zweck nicht erfüllen“, betont Widmaier.
Im Herbst steigt die Wildunfallgefahr
Im Oktober werden die Tage kürzer, Regen und Nebel nehmen zu, nasses Laub verlängert den Bremsweg. Nach der Umstellung auf die Winterzeit am Sonntag, 25. Oktober 2026, verschärft sich die Lage zusätzlich: Wildtiere richten ihre Aktivität nach der Dämmerung, nicht nach der Uhr. Der abendliche Wildwechsel fällt dann wieder mit dem Berufsverkehr zusammen. Besonders zwischen etwa 16.00 und 18.30 Uhr ist mit erhöhter Gefahr zu rechnen.
So lässt sich das Risiko verringern:
An Waldstücken und Feldrändern aufmerksam, langsamer und bremsbereit fahren, ausreichend Abstand halten.
Steht Wild an oder auf der Straße: kontrolliert abbremsen, abblenden, hupen.
Immer mit weiteren Tieren rechnen, Wild ist selten allein unterwegs.
Ist ein Zusammenstoß unvermeidbar: keine riskanten Ausweichmanöver, Lenkrad festhalten, kontrolliert bremsen.
Nach einem Wildunfall:
Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Unfallstelle absichern.
Polizei unter 110 verständigen, bei verletzten Personen sofort 112 wählen.
Verletztem Wild nicht folgen, totes Wild nicht ohne Handschuhe berühren und keinesfalls mitnehmen.
Den Unfallort möglichst genau beschreiben. Im Projektgebiet des Polizeipräsidiums Südhessen übernimmt die Polizei nach Möglichkeit die Markierung mit dem Wildunfallzeichen. Ist das Tier geflüchtet, verständigt sie den zuständigen Jagdpächter.
Hintergrund:
Das Wildunfallzeichen wurde ursprünglich von Dietmar Heupel aus dem Kreis Olpe entwickelt. In Südhessen wird es seit 2019 im Rahmen der Kooperation von Hessischem Innenministerium, Polizeipräsidium Südhessen und Landesjagdverband Hessen eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Gefertigt werden die Zeichen in den Nieder-Ramstädter Werkstätten.
Rückfragen bitte an:
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Quelle: ots
